Cookie-Einstellungen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite und für die Steuerung unserer kommerziellen Unternehmensziele notwendig sind, sowie solche, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

Cookie-Einstellungen

Artikel im Heinrichsblatt 2019

Umfangreiche Renovierung der St. Johannis Kirche zu Rothenburg ob der Tauber

Eigentlich sollte es nur ein neuer Anstrich sein

Pontifikalamt am 21. Juli 2019

Die lange Zeit, in der die Rothenburger ihre Kirche nicht nutzen konnten, geht zu Ende. Innerhalb und außerhalb der St. Johannis Kirche herrscht zwar noch geschäftiges Treiben der Handwerker, doch das Pontifikalamt zur Wiedereröffnung am 21. Juli 2019 mit Erzbischof Ludwig Schick steht fest.

Die Anfänge

Alles begann 2014, als die Klagen über die unansehnliche Fassade mit der abblätternden Farbe zunahmen. Der Pfarrgemeinderat bildete einen „Reno-Kreis“ und begann mit der Suche nach einem Architekturbüro. Eigentlich sollte es nur ein neuer Anstrich sein.

Ein halbes Jahr dauerte die Begutachtung, man entdeckte statische Probleme, erkannte die Notwendigkeit eines neuen Heizungssystems, die Liste wurde immer länger und am Ende stand ein 40-seitiger Bericht zu bauvorbereitenden Maßnahmen.

Informationstag

Im Mai 2017 wurde es konkret. Mit einem Tag zur Renovierung wurde die Aufmerksamkeit auf die notwendigen Arbeiten gelenkt. Der Bauingenieur führte alle Interessierten durch den voluminösen Dachstuhls mit seiner sichtbaren, massiven Holzkonstruktion. Hier wurden Schadensbilder und Mängel anschaulich erläutert: baulich bedingte Schwachstellen, Folgen des Alterungsprozesses, sowie die Einwirkung der Witterung durch Luftfeuchte, Staubaufwirbelung und Heizungsluft.

Die Pfarrgemeinde engagierte sich und stellte eine ganze Reihe kreativer Spendenaktionen zusammen. Der Spruch "Wer teilt, gewinnt" zierte mitsamt eigenem Logo viele Aufkleber, Kalender und Banner. Eine große Hilfe war auch die Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Gleichzeitige Arbeiten

Um die Arbeiten in einem kompakten Zeitraum durchführen zu können, beschloss man, gleichzeitig innen und außen zu arbeiten. Dies hatte zur Folge, dass die Kirche mit Beginn der Arbeiten im Frühjahr 2018 nicht mehr genutzt werden konnte. Im Vorfeld musste sich der Pfarrgemeinderat daher mit der Planung der Gottesdienstorte befassen.

Beim Abdecken des Daches stellte sich heraus, dass alle Ziegel schadhaft waren. Dies machte schon kurz nach dem Beginn ungeplante, neue Überlegungen und Finanzplanungen nötig. Die großen Dachbalken und Sparren waren im Kern weit geschädigt. Diese Reparatur ist eine handwerklich sehr anspruchsvolle und zeitaufwändige Arbeit. Zudem mussten Fehlarbeiten von Renovierungen aus den 1960er Jahren ausgebessert werden.

Gleichzeitig wurde im Innenraum der Kirche unter anderem der historische Putz ausgebessert und hinterspritzt. An den Fenstern fanden Arbeiten am Naturstein des Maßwerks statt, die vielen schadhaften Stellen wurden ausgebessert und der Naturstein gefestigt. Zum Schluss konnte dann erst die neue Fußbodenheizung verlegt werden. Darauf wurde ein Podest gesetzt, worauf dann die Kirchenbänke stehen werden. Dies ist im Innenraum die größte sichtbare Änderung, weil das Kircheninnere nun mehr vom Holzboden geprägt wird.

Baustellenbesichtigung

Um am Fortschritt der Arbeiten teilhaben zu können, hat die Pfarrei im Herbst 2018 zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen. Die Bauingenieure erläuterten hoch auf dem Baugerüst der St. Johannis Kirche den Stand der Sanierung und aktuelle Herausforderungen. Hier konnte jeder Interessierte sehen, wie und wo zum Beispiel am Maßwerk der Fenster poröses Altmaterial entfernt wurde, der Sandstein gefestigt und neu nachverfugt wurde. Vor allem am Dachstuhl wurden Holzschäden auch für den Laien deutlich sichtbar.

Geschichte des Gebäudes

Die St. Johannis Kirche liegt heute mitten in der Altstadt von Rothenburg. Der Ursprung stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert als Gotteshaus des Johanniterhospitals. Spital und Kirche lagen damals am Rande der Stadt. Um 1400 wurde die Kirche neu gebaut, es entstand ein fast rechteckiger Hallenbau. Dadurch erhielt sie ihr heutiges Aussehen, die Schrägstellung der Ostwand sowie die Abknickung der Nordwand sind durch den (noch heute vorhandenen) Straßenverlauf und den Anschluss an den (heute nicht mehr vorhandenen) Stadtturm bedingt.

Neue Farbe der Fassade

Für jedermann in Rothenburg sichtbar, wurde die bisherige markante rote Farbe der Fassade aufwändig abgestrahlt. Denn die Aussenfarbe war im Laufe der Jahre sehr abgewaschen und bröselte an vielen Stellen ab. Allerdings ist die bisherige rote Farbe historisch nicht belegt. Die Grundlage der neuen hellen Farbe ist der früher übliche Kalkanstrich. Dies hat auch die Befunduntersuchung des Restaurators bestätigt. Aufgrund der neuen Farbgebung der Fassade wird die Sanierung das Stadtbild Rothenburgs dauerhaft verändern.

 Mit Hilfe von Farbtafeln konnte auch die Pfarrgemeinde die möglichen Schattierungen des neuen Fassadenanstrichs diskutieren. Dies öffentlichkeitswirksame Thema wurde in einer Informationsveranstaltung im Frühjahr vorgestellt und die Findung des neuen Farbkonzepts nach historischen Gesichtspunkten erklärt.

Bis zum letzten Moment wurde fleißig gearbeitet, die Gemeindemitglieder halfen tatkräftig mit, als es Anfang Juli darum ging, die Kirchenbänke aus dem auswärtigen Lager wieder in die Kirche zu bringen. Im Sommer 2019 geht nun der lange Weg der Renovierung zu Ende.

Dieser Bericht erschien im Heinrichsblatt Nr. 29 zum 21. Juli 2019