Mit einem „Tag zur Renovierung“ lenkte die katholische Kirchengemeinde St. Johannis die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Instandhaltungs-maßnahmen an der Pfarrkirche. Pfarrer Harald Sassik warb um Unterstützung für das konkrete Projekt. Fachliche Erläuterungen verschafften Einblicke in die wechselvolle Geschichte des Gotteshauses und in das weitere Vorgehen für den Erhalt des historischen Bauwerks.
Die Mitglieder der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderates freuten sich, dass vier Stadträte und Oberbürgermeister Walter Hartl der Einladung gefolgt waren – und es nicht nur bei warmen Worten blieb. Es wurde eine finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. „Die Kirchen in unserer Stadt sind nicht nur Orte des Glaubens, sondern auch ganz besondere Bauwerke“, betonte Walter Hartl und sieht die Stadt deshalb in der Unterstützungspflicht. Er würdigte auch die Arbeit der Kirchengemeinden, die maßgeblich zum gesellschafltichen Leben in der Stadt beitragen. Es gebe viele Anknüpfungspunkte und Schnittstellen. Er wünschte der Spendensammlung für die Kirchenrenovierung viel Erfolg und will sein persönliches Scherflein dazu beitragen. Pfarrer Harald Sassik hatte ihm ein Spendeneimerchen mit der Bitte um Teilnahme an der Münzenaktion überreicht, denn auch Kleingeld summiert sich.
Der aufgestellte Vorhabenplan umfasst Maßnahmen in Höhe von rund 758.000 Euro. Mehr als ein Drittel der Summe, über 265.000 Euro, muss die Kirchengemeinde, zu deren Pfarrkirche 2760 Katholiken gehören, selbst aufbringen. Es steht außer Frage: Die Gemeinschaft muss sehen, wie sie die finanzielle Herausforderung schultert. Zum „Tag der Renovierung“ stiftete die kroatische Gemeinde selbst gebackene Kuchen und Torten, die Winzerfamilie Thürauf „Johanniter“- Wein, Buchhändlerin Grazyna Cebulla Literatur für den Büchertisch und das Gesangsduo Gretl und Franz Metschl Musik-CDs mit den beliebtesten Liedern ihrer beeindruckenden 45-jährigen Karriere. Das Ehepaar wirkte auch an der abendlichen Maiandacht mit – musikalisch begleitet von Carmen Kastner an der Orgel – und sang mehrere geistliche Lieder. Darunter der Titel „Du bist groß“, mit dem Gretl und Franz Metschl im März 1998 die Goldene Schallplatte gewannen. Der Verkauf ausgedienter Orgelpfeifen, die bei einer früheren Renovierung der Steinmeyer-Orgel ausgebaut wurden und auf dem Dachboden der Kirche lagerten, brachte ebenfalls Geld in die Gemeindekasse.
Auch der Kirchenchor, das Kinderkirchenteam und die Ministranten beteiligten sich am „Tag der Renovierung“. Nach der Begrüßung sprach Pfarrer Harald Sassik Worte der Besinnung. Inhaltlich ging es um das Motto „Wer teilt gewinnt“ als ein Aufruf zur Nächstenliebe und zu einem Denken und Handeln, das Jesus Christus gelehrthat. „Gemeinsam für St. Johannis“ greife den Heiligen Johannes den Täufer als Kirchenpatron auf und erinnere auch an die Geschichte des Gotteshauses als ehemalige Johanniterkirche, sagte Pfarrer Harald Sassik. Die Johanniter, später Malteser genannt, hatten in Rothenburg als Hospitalorden gewirkt – zum Heil der Seelen und zum Wohl der Armen, der Pilger und besonders der Reisenden. „Wir sind heute bemüht, dieses Erbe zu begreifen und daraus auch den Auftrag für die Zukunft abzuleiten: Erbe und Auftrag“, betonte der Geistliche.
Die angebotenen Kirchenführungen ermöglichten Interessierten die Besichtigung des voluminösen Dachstuhls auf zwei Ebenen. Der Reiz besteht in der sichtbaren, massiven Holzkonstruktion, von der jeder einzelne Balken seine Geschichte erzählt. Bauingenieur Klaus Edelhäuser zeigte Schadensbilder und Mängel: baulich bedingte Schwachstellen, Folgen des Alterungsprozesses, Einwirkung der Witterung in den Innenraum, Luftfeuchte, flächige dunkle bis schwarze Beläge im Decken- und Wandbereich durch Staubaufwirbelung und Heizungsluft. Es gibt Überlegungen eine Fußbodenheizung in einen Holzboden auf dem Steinbelag zu integrieren oder eine Bankheizung einzubauen. Ziel ist es, in der kalten Jahreszeit die Wärme an die Gottesdienstbesucher heranzubringen.
Das Mauerwerk zeigt Schäden in Form von Rissen, Spalten und Abplatzungen. Die bleiverglasten Fenster müssen überarbeitet und statische Maßnahmen am Dachstuhl durchgeführt werden. Auch Außenfassade und Figuren an der Kirche sind in das Sanierungskonzept einbezogen. Die letzte große Instandsetzung liegt fast fünfzig Jahre zurück. Noch nicht ganz so lange her ist die Renovierung der Steinmeyer-Orgel. Das aus dem Jahr 1885 stammende Instrument wurde 2004 fachmännisch überarbeitet und war in den 90er Jahren um acht Register erweitert worden.
Lothar Schmidt informierte die Interessierten über geschichtliche Hintergründe des Gebäudes. Die St. Johanniskirche erlebte in ihrer Geschichte mehrmals einen Wechsel der Konfession. Ursprünglich war die Kirche das Gotteshaus der um 1200 entstandenen Niederlassung mit Spital des Johanniterordens. Durch Luther Reformation wurde sie 1553 evangelisch. Im 30-jährigen Krieg diente die Kirche als Begräbnisort für katholische Offiziere. Aber erst 1803 wurde sie endgültig durch die Säkularisierung von Bayern wieder der katholischen Gemeinde als Seelsorgestelle überlassen – und 1893 zur Pfarrei erhoben im überwiegend protestantisch geprägten Rothenburg. Um 1400 wurde die Kirche im Stil der Spätgotik von Grund auf neu gestaltet und erhielt ihr heutiges Aussehen. Um 1600 erfolgte der Einbau der Westempore und der Ausbau des Dachgeschosses. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in zwei aufwändigen Renovierungsschüben in den heutigen Zustand versetzt. Die anstehende Sanierung bietet die Möglichkeit, weitere Erkenntnisse zu gewinnen, so dass sich die äußerst komplexe Baugeschichte gut rekonstruieren lässt.
Veröffentlicht im Fränkischen Anzeiger von Silvia Schäfer