Die beiden Pfarreien Rothenburg ob der Tauber und Gebsattel hatten sich 2005 zu einer Kooperation zusammengeschlossen und bilden eine Einheit. Dies drückt sich auch durch den gemeinsamen Pfarrgemeinderat aus. Da Rothenburg seit einigen Jahren keinen eigenen Pfarrsaal mehr hat und somit kein größerer Versammlungs- und Veranstaltungsraum mehr zur Verfügung stand, beschloss der Pfarrgemeinderat auf seiner Klausurtagung 2014, die überfällige Renovierung des Pfarrsaals in Gebsattel in Angriff zu nehmen, um eine gemeinsame Räumlichkeit zu schaffen. Das in die Jahre gekommene Gebäude sollte modernen Ansprüchen an die Gemeindearbeit genügen und auch Barrierefreiheit gewährleisten. Dies wurde in den letzten Jahren vor allem durch eine bewundernswerte Eigenleistung vieler Gemeindemitglieder umgesetzt.
Das Gebäude in der Kirchdorfstraße 13 in Gebsattel hat eine bewegte Geschichte. Von 1801 bis 1937 diente es als Schule für die katholischen Kinder des Ortes. Als dann beide Konfessionen gemeinsam in eine Schule gehen mussten, wurde nach dem Weltkrieg ein neues Schulhaus bezogen. In das Gebäude zog die katholische Schwesternstation ein und betrieb bis 1981 neben einer ambulanten Krankenpflege auch eine Winternähschule und einen Kindergarten. Nach einer Renovierung bot das Haus zunächst Platz für Kindergarten und Pfarrsaal. Wegen steigender Kinderzahlen wurde 1995 ein neuer Kindergarten bezogen und die Räume standen nun ausschließlich als Pfarrsaal zur Verfügung, hatten aber noch die alte Einrichtung des Kindergartens.
Das Renovierungs-Team des Pfarrgemeinderates holte frühere Planungen aus der Schublade und entwickelte neue Ideen. Diese drehten sich um die Erneuerung der sanitären Anlagen, eine auch für größere Anlässe ausreichende Küche, einen variabel einsetzbaren großen Versammlungsraum und einen kleineren Besprechungsraum. Besonderer Wert wurde auf die Barrierefreiheit gelegt, wofür unter anderem ein Außenaufzug vorgesehen wurde. Nach ersten Besprechungen gab das Erzbischöfliche Ordinariat eine Zuschusszusage und es konnte begonnen werden.
Zahlreiche Helfer aus der Gemeinde rissen nun die alten Kindergarteneinrichtungen, die Böden, Decken und Sanitäranlagen heraus, halfen beim Aufmauern neuer Wände, beim Einbringen des neuen Estrichs und bei vielen anderen Arbeiten. Immer wieder trafen sich die Mitglieder des Reno-Teams und während der laufenden Arbeiten entwickelte sich das Projekt immer weiter. Bei der Wärmeisolierung und der Auswahl der verwendeten Materialien wurden immer auch die ökologischen Grundsätze des Erzbistums beachtet. Im Inneren wurde für eine freundliche, helle Atmosphäre, gute Beheizbarkeit, moderne Vortragstechnik und ausreichende Schalldämmung, Vorrichtungen für wechselnde Dekorationen und Ausstellungen, Stauraum für die Materialien der verschiedenen Gruppen und für moderne und behindertengerechte Sanitäranlagen gesorgt.
Zur Krönung der Ausstattung hat Pfarrer Sassik aus dem Fundus der Pfarrei einen Corpus des Gekreuzigten beigesteuert, der auf die Widmung und die Ausrichtung des Hauses hinweist.
Im Außenbereich wurde die alte, enge Treppe durch eine breitere, besser beleuchtete und einladendere Treppe ersetzt. Wo sich früher eine Garage befand, wurde ein Außenaufzug eingebaut. Der Vorplatz wurde für Veranstaltungen im Sommer vergrößert und neu gepflastert und der angrenzende Pavillon zweckmäßig umgestaltet. Eine neue Bepflanzung rundet die Außenanlage ab.
Der Dank der Pfarrgemeinden gilt vor allem den vielen freiwilligen, ehrenamtlichen Helfern, die das Projekt durch Ihre tatkräftige Arbeit unterstützt haben. Ein herzlicher Dank gilt Frau Elisabeth Stammler, die durch ihre kundige Bauleitung die beteiligten Firmen und die freiwilligen Helfer koordinierte. Aus der Gemeinde dürfen vor allem Herr Erich Fiedler und Herr Bernhard Christ genannt werden, die das Projekt durch ihren enormen und von viel Sachverstand getragenen Einsatz voran brachten. Hätte der Nachbar Herr Karl Aurbach sein Grundstück nicht so großzügig zur Verfügung gestellt und immer wieder bereitwillig mitgeholfen, wäre alles nicht geglückt.
Neben den Erlösen vieler Veranstaltungen und den kleinen und größeren Spenden von Einzelpersonen haben auch die Sparkasse und die VR-Bank Spenden gegeben. Das Amt für ländliche Entwicklung und die Gemeinde Gebsattel haben mit Zuschüssen geholfen und der Laurentiusverein konnte einen großen Zuschuss geben. Mit einer 65 %igen Förderung hat vor allem das Erzbistum Bamberg die ganze Maßnahme überhaupt erst ermöglicht.
Die Räume wurden zwar schon provisorisch während der Bauzeit immer wieder genutzt, wurden aber nun am 14. September 2019, dem Tag vor der Kirchweih der Ortskirche, gesegnet und ihrer alten Bestimmung im neuen Kleid offiziell übergeben.
… und wie die Geschichte eben weiter geht, hat es sich ergeben, dass der Gebsattler Kindergarten aktuell in großer Raumnot ist und ein Erweiterungsbau erstellt werden muss. Für die Übergangszeit wird nun ein Raum im neuen Laurentiussaal für den Kindergarten mitgenutzt werden. So erfreut er sich bereits von Anfang an dankbarer Gäste.